Bowflex VeloCore - Heimtrainer mit Kippfunktion

Das Fitnessgerät Bowflex Velocore ist ein Heimtrainer mit Kippfunktion und Entertainment. Ob es die Kurve kriegt, liest du im Test. Klick rein!

Es dauert ein paar Minuten, bis es endlich auf die Strecke geht. Zuerst musst das siebzig Kilogramm schwere Fitnessgerät ins Dachgeschoss verfrachtet und aufgebaut werden. Das funktioniert eigentlich sehr gut, dank vorgefertigter Teile und ein Bisschen Muskelkraft. Wenn man so will, eine erste Trainingseinheit. Die zweite ist das Aufstellen, was ganz gut und einfach gelingt, dank vormontierten Bauteilen. Rechts und links sollte genug Platz sein, damit man die Kippfunktion (Lean-Modus) nutzen kann. Dazu später mehr.

Steht das VeloCore von Bowflex erstmal, bleibt es auch stabil und es bedarf nur noch eines Stromanschlusses und Wlan, um zu starten. Dazu benötigt man noch einen App-Account bei Nautilus, der Firma, die hinter Bowlfex steht. Diese App heißt JRNY und kostet monatlich um die 20 Dollar, um das Gerät und die App vollumfänglich nutzen zu können. Man kann das VeloCore auch ohne JNRY-Account betreiben und beispielsweise mit Zwift kombinieren (einer anderen App zum virtuellen Radfahren), was ich allerdings nicht testen konnte. Das erste Login klappt gut und ich bekomme zwei Monate gratis zum Testen. Das Gerät selbst wurde mir ebenfalls für zwei Monate kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Neupreis eines solchen Bikes lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 2500 Euro.

Der erste Eindruck

Ich fand schnell eine gute Sitzposition für meine 180 Zentimeter Körpergröße. Der Lenker bot eine praktische Ablage und genug Möglichkeiten, den richtigen Griff zu finden. Ich bin mir sicher, ob die Einstellungen für alle passen, denn der Sattel stand bei mir schon an seiner Endmarkierung. Schön sind auch die vielseitig nutzbaren Pedale für normale und SPD-Klickschuhe.

Vor der ersten, überraschend leisen Ausfahrt stand aber erstmal ein obligatorischer Fitnesstest, damit der Algorithmus eine Datengrundlage für die Intensität der nächsten Trainings bekam. Auf dieser Datengrundlage berechnete das System die nachfolgenden Trainingseinheiten. Der Test dauerte ein paar Minuten und ist durchaus anstrengend. Dabei fährt man, der Trainerstimme folgend, mit einem bestimmten Widerstand, den man einstellen muss. Ich hab beim Radfahren noch nie so geschwitzt (was nur bedingt an der Hitze des Dachzimmers gelegen hat) und bin froh eine Matte unter das VeloCore gelegt zu haben. Eines wurde mir dabei deutlich: die Trainings werden herausfordernd.

Und so suchte ich mir über das Touchdisplay gleich mal eine Strecke in Neuseeland heraus, auf der ich die ersten echten Runden drehte. Schön ist, dass sich die Workouts auf unterschiedliche Strecken legen lassen. Dass sich die Geschwindigkeit an die Strecke anpasst, wie Bowlfex angibt, habe ich nicht gemerkt oder die Einstellung nicht gefunden. Das Menü war aber einfach zu bedienen und es konnte losgehen. Eine automatische Bremse wie bei Modellen der Konkurrenz (beispielsweise über Bluetooth) fehlt. Dementsprechend gab es auch keine smarte Bremse, die den Tretwiderstand steuert. Das wird beim VeloCore über die rote, manuelle Dreh-Bremse in der Mitte des Heimtrainers eingestellt. Das machen andere Rollentrainer, insbesondere beim nutzen von Zwift, besser. Man sollte auch wissen, dass der Mechanismus keinen Leerlauf hat und die Füße bei schneller Fahrt immer mitdrehen müssen. Auch dafür ist die Bremse da, die, wenn man darauf drückt, das Schwungrad abbremst.

Weitere Eindrücke beim testen des Bowflex Velocore

Das mit dem Schwitzen änderte sich in den nächsten zwei Monaten übrigens nicht mehr. Die Trainingseinheiten forderten mich stets und es machte Spaß sie durchzuziehen. Besonders die verschiedenen Intensitäten innerhalb der Trainings waren eine schöne Abwechslung zum Laufen. Unter normalen Umständen und ohne die strengen Augen der Maschine sowie deren Auswertung der Ergebnisse wäre ich sicherlich nicht so an meine Grenzen gegangen. Die Trainerinnenstimme trieb mich jedes Mal ordentlich an, auch wenn die sehr amerikanischen Kommentare sich über die Zeit erschöpften („Time to Shine“). Und imaginäre Awards gibt es natürlich auch. Auch die schönen Landschaftsvideos trugen sicherlich zum abwechslungsreichen Fahrerlebnis bei.

Die Perspektive im Cockpit

Gewöhnungsbedürftig ist die Seitenneigung des Radtrainers, die man optional entriegeln kann. Auf diese Weise sollen Kurvenfahrten simuliert werden, bei denen die seitlichen Muskeln gefordert werden. Das hat bei mir nur mäßig gut geklappt, weil der Widerstand zu groß war und ich daher eher wippte. Einmal habe ich mir auch die Finger an dem umständlich zu bedienenden Hebel geklemmt. Die Kippfunktion ist nicht auf die Videos abgestimmt, sodass man manchmal nach links neigte und nach rechts fuhr. Schade, aber vielleicht ist der Aufwand, solche Filme zu produzieren auch einfach zu groß.

Vorteile des Indoor-Trainings

Wenn man davon absieht, hat so ein Indoor-Radtrainer schon seine Vorteile. Er ist schnell erreichbar und es bedarf wenig Vorbereitung, um ein Training zu starten. Man schnappt sich sein Handtuch und die Radklamotten und schon geht es los. Auf diese Weise kann man auch schnell mal eine Runde wetterunabhängig fahren, ohne anschließend das Rad zu putzen. Besonders im Winter kann ich mir solche Trainingseinheiten gut vorstellen. Das kann man natürlich auch mit günstigeren Rollentrainern. Allerdings finde ich auf der Rolle zu sitzen und aus dem Fenster zu gucken ziemlich langweilig.

In den acht Wochen des Tests war ich jedenfalls sehr motiviert, immer wieder auch kleine Einheiten einzuschieben. Wieso nicht noch mal schnell eine halbe Stunde fahren, wenn das Gerät sowieso da steht. Das wirkte wiederum gut aufs Laufen. Die Tempoeinheiten absolvierte ich auf dem Inddor-Bike, die langen Läufe draußen. Natürlich kann man es auch andersherum machen. Bei Bedarf, kann man dann beispielsweise den eigenen Netflix Account verbinden und auf diese Wiese Stunden auf dem Trainer verbringen. Für mich wäre das allerdings nichts. Dazu bin ich zu gerne draußen.

Die Datenanalyse beim Bowflex Velocore

Wie gesagt, ist ein JRNY-Account nötig, auf dem dann alle Daten gesammelt werden. Nach einem Training wird eine Zusammenfassung angezeigt und die Langzeit-Werte aktualisiert, um die nächsten Trainings zu steuern. Wie das genau funktioniert, verrät der Hersteller nicht so genau. Ich hatte bei meinen Workouts aber durchaus das Gefühl, dass sie sich steigerten. Leider musste ich zwischendurch auch mal eine Fahrt vorzeitig abbrechen, da ging gar nichts mehr. Wie gut der Algorithmus ist, kann ich schwer sagen. Was ich sagen kann ist, dass die videobasierten Trainings positiv für meine Motivation waren.

Eine Schnittstelle zu Apple Health habe ich nicht genutzt und JRNY solo betrieben. Die nebenbei geleisteten Lauftrainings konnte die App also nicht berücksichtigen. Wie jeder Hersteller versucht aber auch Bowflex die Daten und damit die Kundschaft im eigenen App-Kosmos zu halten. Wer keinen Herzfrequenz-Messer hat, bekommt einen mit Bluetooth-Funktion mitgeliefert.

Fazit

Das Velocore von Bowflex ist schon ein schmuckes Gerät und es macht Spaß, auf ihm zu fahren. Ich finde zwar die Trainingsmotivation spannend, bin aber auch gerne draußen unterwegs, ohne viel Entertainment. Wer bei ein paar Kleinigkeiten die Augen zudrückt, viel Platz hat und den Preis nicht scheut, wird im Bowlfex Velocore sicherlich ein gutes Trainingsgerät finden.


Mehr Infos vom Hersteller bekommst du hier.

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