Ein Mann für schwere Runden – Staffellauf mit dem Running Firefighter

Neulich habe ich meinen ersten Staffellauf von zehn Stunden gewagt. Mit Feuerwehrkleidung und Atemluftflasche wurde daraus ein Test für Kopf und Körper, in einem tollen Team und für einen guten Zweck.

Die ersten Anfeuerungs-Rufe ertönen schon früh. „Feuerwehrmann, Feuerwehrmann“, rufen die Kinder an der Seitenlinie, während Holger –der Running Firefighter– auf dem Rundkurs den Anfang macht. Mit Helm, Schutzkleidung und Sauerstoffflasche wollen wir 10 Stunden laufen, in Kahl am Main, auf einem Sportplatz, auf dem die örtliche Schule einen Spendenlauf organisiert hat. Die Taktik: drei Runden laufen, dann läuft der Nächste.

Als ich unsere Staffelflasche auf den Rücken bekomme, sackt erstmal meine Motivation in den Keller. „Damit soll ich stündlich drei bis sechs Runden drehen? Na gut, es sind sechs Kilo, plus Brandschutzjacke und -hose (drei Kilo), das wird doch machbar sein“, denke ich. Aber schon in der zweiten Runde steigt  die Temperatur im Anzug. Zum Glück trage ich weder Helm noch Atemschutzmaske — das wäre nicht gegangen. Die Kinder rufen unterdess, ich solle die Flasche aufdrehen, damit ich schneller laufen könne. Drollig, aber um Geschwindigkeit wird es heute nicht gehen.

Die laufende Schwere

Es geht um einen guten Zweck und darum, sich den Weg nicht allzu einfach zu machen. Denn in dem Verein LaLeLu werden Eltern und Kinder betreut, die einen viel schwereren Weg gehen. Es ist ein Kinderhospiz. Deswegen die symbolische Schwere, mit der wir laufen. Das macht Holger nicht zum ersten Mal, er ist als Running Firefighter oft unterwegs fürs Allgemeinwohl. Und als er fragte, ob ich mal mitmachen wolle, hab ich natürlich zugesagt. Wann sonst hat man die Chance bei So etwas mitzumachen.

Neben den Spenden und der Veranstaltung, ging es mir um die Erfahrung beim so einem Rundlauf und die Belastbarkeit beim tragen solcher Klamotten. Und was soll ich sagen, es hat sich gelohnt. Nicht nur das ich wieder einmal tolle Leute kennenlernen durfte (Danke an Holger, Kathrin, Timm, Karim und Jenny), es war auch eine entscheidende Lektion in Sachen Selbsteinschätzung. Man sollte eben mit Bedacht an solche langen Läufe gehen, was sich zum Glück beherzigt habe.

Konstantes Laufen

Ein Staffellauf ist schön, weil man sich die Zeit teilt. Ungefähr einmal in der Stunde ist jeder dran. Insgesamt habe ich 38 Runden geschafft, mit jeweils 400 m, also etwas mehr als 15 km. Die gingen schnell rum, sind aber auch anstrengend. Wer anfangs Gas gibt, wird zum Schluss keine Energie mehr haben. Konstantes Laufen ist da angesagt — am besten nach Plan. Das ist zwar eintönig, aber so sind lange Läufe eben manchmal. Und ich glaube nun, Runden drehen auf der Bahn, über Stunden, ist die Königsdisziplin der Eintönigkeit. Wenn ich mir vorstelle, als Einzelläufer bei einem 5, 10 oder 24-Stundenlauf mitmachen zu müssen, wird mir ganz anders.

Zum Glück werden wir in jeder Runde angefeuert. Feuerwehr! Feuerwehr! Und obwohl ich kein richtiger Feuerwehrmann bin, kann ich nun ein Bisschen nachvollziehen, was damit gemeint ist. Es ist schwer, aber schön. Das ist auch so eine tolle Sache bei Rundenläufen, es ist abwechslungsreich, auch was die Verpflegung angeht. Man muss nicht kilometerweit zum nächsten Verpflegungspunkt laufen, sondern hat ihn immer im Blick, genau wie die Musikbühne und das Zelt mit unseren Wechselklamotten — bestens.

Wechselbäder

Nach den Runden schnell raus aus den Klamotten, trockene Sachen anziehen und dann Pause. Das ist etwas ganz anderes als ein Ultramarathon, wie beispielsweise der Deutschlandlauf. So geht es zehn Mal. An die wechselnden Bedingungen muss man sich gewöhnen: Heiß, kalt, Klamotten aus, Klamotten an. Da muss man gut organisieren und es sich bequem machen. Isomatte oder Schlafsack kann man ruhig mitnehmen, Zelt oder Pavillion auch. Sonst braucht man eigentlich nichts spezielles, da die Organisatoren oft sehr gute Arbeit machen und teilweise üppige Läuferbuffets bereitstellen.

Aber auch die Gefühlswelt wechselt. Erst noch motiviert und frisch, kann es im nächsten Augenblick schon anders aussehen. Wer dann nicht gern unter Leuten ist, wird trotzdem angefeuert. Die Lösung: Man springt über seinen Schatten und genießt die Atmossphäre. Um mich springen mittlerweile die Kinder und wollen abklatschen. Plötzlich ist auch schon die letzte Runde für mich angebrochen. Und schließlich stelle ich mir die Frage, ob es nicht doch interessant wäre, mal einen 24-Stundenlauf mitzumachen. Zum Glück reißen mich Anfeuerungsrufe aus dem Gedanken, bevor ich es mir doch nochmal überlege.

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