Nils testet: Welcher Trailschuh ist der Beste?

Trailrunning ist Abwechslung im Laufalltag, egal ob du ultra lange läufst oder die kurzen Strecken magst. Über Stock und Stein, mal links mal rechts, so macht querfeldeinlaufen Spaß. Und man braucht nicht viel. Nur den richtigen Trailschuh sollte man auf den abwechslungreichen Untergründen schon anhaben – ein Test mit drei Paaren.

Drei Paar Schuhe zum testen
Die drei Trailschuhe im Test

Sicher, man kann auch in Straßenschuhen Wälder und Wiesen durchqueren, aber spätestens wenn feuchte Pfade zum schnellen Rauf-und-Runter einladen, muss ein Trailschuh her. Da macht es keinen Spaß ständig hin und her zu glitschen. Also ran an die Grobstolligen – den Inov-8 Roclite 290, den Salomon Wings Pro 2 und den Scott Supertrac RC.

    Inov-8 Roclite 290 – Kontaktfreudiger Renner

Inov-8 Roclite 290
Inov-8 Roclite 290

Zunächst zur Optik – wer kauft schon einen hässlichen Schuh. Aber da hat Inov-8 meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Er sieht aus wie ein Renner und das ist er auch.

Das 290 steht für 290 Gramm und das merkt man. Der Schuh fühlt sich leicht an und das Mesh-Obermaterial ist weich. Schlüpft man hinein, fällt der Kontrast zwischen ihm und der harten Sohle auf – ein gutes Zusammenspiel. Auch wenn ich anfangs dachte er sei zu schwabbelig. Der Fuß wird weich umschlossen, bleibt aber hart am Boden. Damit bietet der Roclite ein direktes Gefühl zum Untergrund.

Die grobe Sohle ist sehr griffig und gerät auch im Matsch nicht auf Abwege. Der Fuß sitzt sicher, ohne unnötig stabilisiert zu werden. Mir gefällt’s, aber das ist nicht unbedingt etwas für untrainierte Trail-Läufer. Auch Schmalfüßler sollten ihn ausgiebig anprobieren, da er breit gebaut ist.

Und dann kann der Dreck kommen. Egal ob Hügel rauf oder runter, der Roclite bleibt in der Spur. Mit nur 4 mm Sprengung (das ist der Höhenunterschied zwischen Ferse und Ballen) ist er direkt und schnell – man ist mit der Ferse niedrig am Boden, was zum Vorfußlaufen einläd. Ich persönlich finde das bei Trails ohnehin angenehmer, weil der Aufprall besser durch Muskeln und Sehnen gedämpft wird.

Von oben sind die Füße durch das Mesh-Gewebe wenig geschützt, was bei steinigen Trails und im Wurzelwald auffällt. Ist aber nicht so schlimm, denn ich würde den Schuh ohnehin auf schnellen Trails einsetzen.

Fazit: Der Inov-8 Roclite kommt mit vielen Untergründen klar und ist eine gute Mischung aus Schutz und Schnelligkeit. Ich würde ihn für kurze bis mittere Distanzen empfehlen, die schnell zu laufen sind. Ultratrailläufer, die auf langen Strecken auf Komfort verzichten können, sollten ihn mal testen.

Preis: ca. 140 Euro

Salomon Wings Pro 2 – Schutzengel

Mein erster Eindruck vom Wings Pro 2 war nicht so gut. Das Design ist mir relativ egal, aber dass Salomon beim Wings 2 Pro nicht gerade minimalistisch gestaltet hat, fiel sogar mir auf. Aber es war nicht nur das.

Salomon Wings Pro 2
Salomon Wings Pro 2

Die Schuhe sind sehr stabil und mit ihrer schmalen Passform für schlanke Füße gebaut. Meine quetschten und drückten. Die salomontypische Zehenbox war nicht das Problem, eher waren es die eingezwängte Ferse und die steife Sohle, wie bei einem Wanderschuh. Das Schnellschnürsystem und der sockenähnliche Innenschuh fühlen sich allerdings sehr angenehm an.

Aber eine Chance hat jeder verdient, also ab auf die Piste. Und siehe da, es ging. Mit der Zeit gewöhnten sich meine Füße an die Wings.  Bei Ultraläufen würde ich bei der Passform zögern – was einmal drückt, wird irgendwann schmerzen. Mit einem breiteren Leisten ist das vielleicht anders. Seine 10 mm Sprengung sind jedenfalls gemütlicher als die Fersenhöhe der beiden Testkontrahenten.

Auf der Mitteltrecke ist der Wings Pro 2 ein toller Trailschuh, der mehr auf Stabilität, als auf Schnelligkeit ausgrichtet ist. Ein Wechsel zwischen Vorfuß- und Fersenlauf ist möglich, was ihn sehr anpassungsfähig macht. Für technisch anspruchsvolles Gelände bietet der Salomon den nötigen Halt, wobei die Sohle etwas zupackender sein könnte. Dafür schützt sie bestens gegen Steine und Wurzeln.

Fazit: Der Salomon Wings Pro 2 ist ein stabiler Trailschuh für mittlere und lange Strecken, der eher für Komfortläufer mit schmalen Füßen gemacht ist. Wem er passt,  der freut sich über einen stabilen Laufpartner.

Preis: ca. 99 Euro

Scott Supertrac RC – Hart und fair

Die Optik des Supertrac ist auffallend Leuchtgelb und Schwarz, wie die gesamte RC Kollektion. Dazu gehören auch noch andere Klamotten für Trailrenner.

Scott Supertrac RC
Scott Supertrac RC

Aber ihn auf die Überholspur zu verbannen, wäre zu wenig. Klar, die harte Sohle mit den groben Stollen und die minimalistische Bauweise mit 5 mm Sprengung versprechen Schnelligkeit, aber auch bei mittleren Strecken (rund 30 km) war er angenehm zu tragen.

Die Passform ist ein sehr guter Kompromiss aus Platzangebot und Bodenkontrolle, so dass man gut zwischen schwierigem Gelände und Wegen wechseln kann – Bodenhaftung auch bei Schnee garantiert. Das gilt auch für die Sohle, die einerseits grob zupackt und anderseits den Träger laufen lässt.

Ob sich der Scott auch für Ultratrails, eignet weiß ich noch nicht. Irgendwann schubberte er dann doch an meinem großen Zeh und ich musste die Schnürung etwas ändern. Ich habe aber sehr viel Lust zu testen, wie er sich auf der langen Strecke über Stock und Stein macht.

Fazit: Der Scott Supetrac RC ist ein leichter Trailschuh für schnelle Läufer, die auch mal länger laufen, aber nicht allzu dicke Füße haben. Wer aber die richtige Größe gefunden hat, wird seine harte und faire Art lieben.

Preis: ca. 140 Euro

Und welcher ist jetzt der Beste?

Naja, das ist schwer zu sagen. Je nachdem wofür man ihn benutzt, variiert das Modell. Ich für mich kann aber sagen, dass der Scott Supertrac meinen Bedürfnissen am besten entspricht. So, und jetzt hast du die Qual der Wahl.

Wenn noch Fragen offen geblieben sind, schreib gern.

Trailschuhe
Die Sohlen der drei Trailschuhe

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