Deutschlandlauf Tag 2 – Es läuft zäh

Auf der zweiten Etappe lief ich von Enge-Sande nach Jevenstedt (86,5 km) und war mir sicher den nächsten Tag nicht mehr erleben zu werden.

Da schreiben wir nun tatsächlich schon Tag zwei. Nach dem es auf der ersten Etappe bei Wind und Regen an der Spitze Sylts losging, habe ich schnellstens versucht meinen Rhythmus zu finden – vergebens. Durch die Fahrt mit dem Zug ans Festland gab es eine Pause, die mich nicht weiterbrachte – im Gegenteil. Kalt und nass zwickte dann auch das Knie, was mir öfter mal passiert. Wahrscheinlich ist das psychisch, aber es steckt fest im Kopf. Ich dachte, ich schaffe nicht mal die erste Etappe, aber nach dem Duschen ging es wieder.

Der zweite Tag war dann auch okay, von der Nacht und Zelt abgesehen. Die war unruhig und ich kam vor lauter Knieschmerzen nicht zum Tiefschlaf – und das war erst der Anfang des Laufes. Ich drehte mich ständig hin und her auf meiner viel zu dünnen Isomatte. Aber immer noch besser als in der Turnhalle zu schlafen, mit 60 Leuten. Nachts zu schlafen ist das wichtigste am Regenerationsprozess. Und die ersten Stunden sind die wichtigsten.

Neben dem Schlaf war da noch das Knie. Es meldet sich bei jedem Lauf, aber ich glaube es ist eher etwas psychisches. Tape drüber und Schonschritt. Mit 7,5 km/h durch Schleswig Holstein – Küstensonne inklusive. Ständig war ich hin und her gerissen zwischen den Gedanken: „Ich bin zu langsam und kann gleich aufhören“ und „Super, das läuft doch prächtig“.

Nilsläuft
Schon 35 km

Zwei Drittel der Strecke lief es auch ganz gut. Nur zum Ende hin bekam ich die Motivationskurve nicht. Anstatt fokussiert zu bleiben – das Ziel ist nah – setzte ich mich unter Druck. Ich wollte sofort ins Ziel kommen, aber es dauert nun mal, bis man die Kilometer hinter sich hat. Woher dieser nervende Drang kam wusste ich nicht, aber es nervte mich, dass ich mich selbst nervte.

Das macht keinen Spaß. Okay, die Kraft war auch nicht mehr so da, aber schlimmer ist das mit dem Kopf. Immer mit der Perspektive, 17 weitere Etappen vor mir zu haben. Ob ich das schaffe? Ich wusste es nicht und zum ersten Mal empfand ich es vermessen ans Durchkommen zu denken. Also lebte ich nun von Tag zu Tag und hoffte, meinen Rhythmus zu finden.